zusammenarbeit - Inklusion in eine gemeinsame Arbeitswelt
ZUSA Inklusion

ZUSA zieht Zwischenbilanz: Arbeitgeber müssen direkt angesprochen werden

Die Partner des Projekts „ZusammenArbeit – Inklusion in eine gemeinsame Arbeitswelt“ (kurz ZUSA) hatten sich vor zwei Jahren ehrgeizige Ziele gesetzt: In ihrem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekt wollten sie unter der Federführung des Jobcenters der Stadt Erlangen und des Managements der ACCESS Integrationsbegleitung arbeitslose Menschen mit Behinderungen aus der Stadt Erlangen und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt aktivieren und möglichst vielen eine nachhaltige Perspektive auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen.

 

Bis Ende 2016 wurden für 102 behinderte Personen Arbeitserprobungsstellen in Betrieben und bei Partnern vermittelt. Für 30 Personen konnten sozialversicherungspflichtige, langfristige Arbeitsstellen gefunden werden. "Mindestens ebenso wichtig ist unsere Aufgabe, Menschen zu aktivieren, die oft über Jahre hinweg keinen Zugang mehr auf den Arbeitsmarkt haben", betont Karl-Heinz Miederer, Geschäftsführer von ACCESS. Mit 170 Betroffenen wurde ein intensives Coaching über mehrere Termine hinweg angeboten. "Oft geht es vor allem erst einmal darum, wieder einen Tagesrhythmus zu finden und das Selbstwertgefühl zu steigern", so Miederer.

Jede Vermittlung ein großer Erfolg
Ein Engagement mit Auszeichnung – im Oktober 2016 wurde ZUSA mit dem „Miteinanderpreis" der Bayerischen Staatsregierung gewürdigt – und eines, das herausfordert. Der Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dr. Ulrich Walwei, bestätigte jüngst auf einer Beiratssitzung von ZUSA die Komplexität der Arbeit mit der Zielgruppe, der sich ZUSA widmet. Als "Risikomerkmale für langen Grundsicherungsbezug" identifizierte das IAB acht zentrale "Vermittlungshemmnisse", die häufig auch die Menschen betreffen, die ZUSA begleitet. Unter anderem sind es eine geringe Schulbildung, gesundheitliche Einschränkungen, Sprachdefizite oder fehlende Ausbildungsabschlüsse, die Menschen davon abhalten in Arbeit zu kommen. "Oft ist es aber auch die Pflege von Angehörigen, Mutter- und Elternschaft oder ein bereits langanhaltender Grundsicherungsbezug", ergänzte Walwei. Eklatant sind wiederum die Konsequenzen, die diese Faktoren mit sich ziehen: Jedes dieser Vermittlungshemmnisse senkt die Chancen auf einen Arbeitsplatz um mindestens ein Drittel, meistens sogar um die Hälfte. Die Wahrscheinlichkeit, den Grundsicherungsbezug innerhalb eines Jahres durch die Aufnahme einer Arbeit zu verlassen, beträgt bei einem Vermittlungshemmnis 18 Prozent, bei zwei Hemmnissen acht Prozent, bei drei Hemmnissen nur noch vier Prozent.

"Vor diesem Hintergrund leistet ZUSA höchst erfolgreiche und extrem wichtige Arbeit", erklärt Dr. Ulrich Walwei. Die von den Projektpartnern betreuten Personen weisen zu etwa 30 Prozent zwei, zu 26 Prozent drei "Vermittlungshemmnisse" auf. Lediglich 5,7 Prozent verfügen über "nur" eine Einschränkung. In diesem Kontext sei jede Vermittlung ein großer Erfolg.

Nächste Schritte
Zu den erfolgreichsten Instrumenten, die die Projektpartner bei ZUSA anwenden, zählt die direkte und passgenaue Ansprache von Arbeitgebern. Dazu gehört die Veranstaltung "Inklusion exklusiv". Zu diesen "Arbeitgeber-Stammtischen" lädt jeweils ein Vertreter aus Wirtschaft, Politik oder Verwaltung sein Netzwerk ein, um über ZUSA zu informieren und ganz konkret Vermittlungserfolge zu erzielen. Zu den bislang durchgeführten drei Terminen kamen knapp 60 Wirtschaftsvertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen. Besonders groß war die Resonanz im Landkreis Erlangen-Höchstadt. "Wir gehen optimistisch ins letzte Förderjahr", sagt Karl-Heinz Miederer. Für 2017 sind drei weitere Termine geplant, zu denen die IHK Nürnberg für Mittelfranken, die Universität Erlangen-Nürnberg und die Stadt Erlangen einladen. Zur forcierten Arbeitgeberansprache soll in diesem Jahr die "Initiative Inklusion" beitragen. Dabei werden ausgewählte Unternehmen, die sich besonders um inklusive Arbeitsplätze bemühen, mit einem Preis ausgezeichnet. Ziel dieses ZUSA-Arbeitspaketes ist es, mittelfristig eine Zertifizierung von Firmen zum Thema Inklusion zu entwickeln.

Mit einer großen Informationsveranstaltung wirbt ZUSA am 6. April im Herzogenauracher PUMA Brand Center um die weitere Akzeptanz von Inklusion in Unternehmen – mit prominenter Unterstützung. Zum Thema "Respekt. Vor Leistung!" werden dabei der FIS Direktor Skisprung, Walter Hofer, und die Behindertenbeauftrage der Bundesregierung, Verena Bentele, selbst jahrelang Leistungssportlerin, auftreten. In Talkrunden werden Erfolgsgeschichten geteilt, die Möglichkeiten zu mehr Engagement für Inklusion ausgelotet und potenzielle Hilfestellungen durch das Projekt ZUSA vorgestellt.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales