zusammenarbeit - Inklusion in eine gemeinsame Arbeitswelt
ZUSA Inklusion

"Es ist mehr als Gewinnmaximierung"

Der Rückblick auf ein Jahr ZUSA zeigt: Die Projektpartner sind auf einem guten Weg. Das konzertierte Vorgehen aus Qualifizierung, Arbeitserprobung und letztlich die Übernahme in eine reguläre Arbeitsstelle bewährt sich. Von den in diesem Prozess aktivierten 84 Personen konnten zum jetzigen Zeitpunkt bereits 16 in einen festen Job vermittelt werden.
Karl-Heinz Miederer, Geschäftsführer der Access Integrationsbegleitung gGmbH, erklärt im Interview, welche Besonderheiten bei Menschen mit Schwerbehinderung auf dem Arbeitsmarkt gelten und wie Arbeitgeber von dieser Personengruppe profitieren.

 

 

ZUSA will Menschen mit Schwerbehinderung in Arbeit bringen. Das Projekt agiert damit auch als Schnittstelle zwischen den Unternehmen und den Jobcentern bzw. der Agentur für Arbeit. Worin liegt der Unterschied zu einer „klassischen“ Personalvermittlung?
Karl-Heinz Miederer: Unseren Kunden ist nicht damit geholfen, sich auf ein Stellenangebot zu bewerben – durch intensive Begleitung und ein betriebliches Praktikum erproben sie ihre Fähigkeiten und zeigen einem Unternehmen, was es heißt mit und trotz Behinderung zu arbeiten. Es sind Personen, die für die klassische Personalvermittlung uninteressant sind, weil die Passung in das Arbeitsleben in einem langfristigen Prozess gestaltet werden muss.


Welche Schritte sind in der Regel nötig, um Arbeitnehmer in schwierigen Lebenssituationen „fit für den Job“ zu machen?
Miederer: Eine intensive Begleitung durch wertschätzenden Beziehungsaufbau zu unserem Mitarbeiter, dem Coach. Wir holen die Menschen ab in der aktuellen Lebenssituation, begleiten beim Lösen der drängendsten Probleme, unter anderem sogenannte Vermittlungshemmnisse, und fördern Selbstwert und Selbstvertrauen.
Die wichtigsten Arbeitsbereiche sind die körperliche und psychische Stabilisierung, der Umgang mit langjährigen Erfahrungen des Scheiterns, das Motivieren und Aktivieren, aber auch die Vernetzung mit anderen Hilfesystemen, wie zum Beispiel Ärzte, Kliniken oder eine Rechts- und Schuldenberatung. Zentral ist auch der Wiederaufbau eines sozialen Netzwerks.


Wie wichtig sind für diesen Prozess speziell ausgebildete Mitarbeiter?
Miederer: Die Ausbildung und Erfahrung unserer Mitarbeiter ist der entscheidende Faktor. Unser Personal hat in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorwiegend im pädagogischen Bereich, verfügt über Zusatzausbildungen, ist mit Beratungs- und Coachingmethoden vertraut und verfügt über Erfahrung in der beruflichen Integration und Maßnahmengestaltung. Unerlässlich ist aber auch, dass unsere Mitarbeiter an unsere Kunden glauben: Sie motivieren stets dazu, dass jeder seinen persönlichen Weg auf sich nimmt.


Wie hoch sind erfahrungsgemäß die Vermittlungschancen von Menschen mit Schwerbehinderung auf den ersten Arbeitsmarkt?
Miederer: Ohne ZUSA: null. Wobei Vermittlung zu kurz gedacht ist: Es geht vor allem darum, sich auf den Weg zu machen, Grenzen zu erkennen und zu verändern. Und auch sein Leben entschlossen in die Hand zu nehmen, das Arbeitsleben ist dafür ein entscheidender Gradmesser.


Worauf sollten sich Arbeitgeber einstellen, wenn sie vermittelten Teilnehmer beschäftigen?
Miederer: Sie sollten Bereitschaft zeigen, sich einzulassen auf Veränderungen, auf Fragen, auf die Suche nach Lösungen, auf Geduld und auf Rücksichtnahme, Aber gleichermaßen auch auf die Überprüfung von Gewohnheiten und Routinen, auf das Neue und auf eine Entwicklung, die nicht immer gelingt. Kurzum: sie sollten einige  Herausforderungen annehmen.


Das klingt zunächst nach einem nicht ganz reibungslosen Weg. Welchen Mehrwert bringen Menschen mit Behinderung einem Unternehmen?
Miederer: Arbeit wird getan. Gewinn wird erzielt. Gute und loyale Mitarbeiter werden gefunden und zielführend eingesetzt. Lernen findet immer auch durch Herausforderungen mit Arbeitsanforderungen und konkreten Menschen statt. Zuschüsse nehmen dabei das Risiko.
Es geht andererseits um Sinnstiftung: Gesellschaftliches Engagement durch Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen ist mehr als Gewinnmaximierung und leistet einen wichtigen Beitrag zum Leben in unserer Welt. Das soziale Klima im Unternehmen und die Betriebskultur können verbessert werden: Verantwortung vorzuleben kann eine wichtige Botschaft an die eigenen Mitarbeiter sein.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales